Umgang mit Ärger

Wenn wir den Wunsch haben, in einem harmonischen und von konstruktivem und kooperativem Umgang geprägten Umfeld zu leben/zu arbeiten, ist es notwendig, dass wir lernen, Verantwortung  für unsere Gefühle und ganz besonders für unseren Ärger zu übernehmen und dafür zu sorgen dass wir aus diesem Gefühlszustand heraus niemanden verletzen.

Was können wir tun in dem Moment, in dem wir die Kontrolle über uns selbst verloren haben und wir einen großen Drang verspüren, den anderen, den wir als die Ursache unseres Ärgers erleben, anzugreifen und zu verletzen?

Denn wir alle haben das schon so oft getan und hinterher bereut!

Schritt 1: Verstehen, warum es so überaus wichtig ist, nicht aus Ärger heraus zu agieren:

Denn Ärger

  • führt dazu, dass wir die Situation und den Anderen verzerrt wahrnehmen und deshalb unangemessene Entscheidungen treffen
  • macht den Geist starr und unflexibel, sodass wir nur eine enge Auswahl an Handlungsmöglichkeiten wahrnehmen
  • verschließt das Herz und blockiert unsere Empathiefähigkeit
  • macht uns in unseren Gedanken zum Opfer des Anderen
  • redet uns ein, dass der Andere unsere Angriffe und Abwertungen mehr als verdient hat
  • führt zu unüberlegten Handlungen, die unheilsam für einen selbst und andere sind.
  • schafft Unfrieden in unserem Umfeld und sorgt langfristig dafür, dass wir uns mehr und mehr von Feinden umgeben fühlen

Schritt 2: Innehalten und Nicht-Reagieren praktizieren

Dafür braucht es…

  • einen starken und tragfähigen Entschluss
  • die Einsicht, dass es mein Ärger ist, meine Gefühle und Gedanken, für die ich allein verantwortlich bin
  • eine geschulte Achtsamkeit , um die körperlichen und geistigen Anzeichen von Ärger rechtzeitig zu erkennen
  • aus der Situation zu gehen, um uns Zeit und Raum für Selbst-Beobachtung verschaffen

Schritt 3:  Heilsame Verbindungen zu sich selbst aufnehmen

  • den Ärger sorgfältig und liebevoll akzeptierend wahrzunehmen mit allen Symptomen auf körperlicher und emotionaler Ebene und bzgl. der Gedanken
  • Verbindung aufzunehmen zur eigenen Verletzlichkeit, zum eigenen Schmerz
  • sich selbst in liebevoller Weise anzunehmen und Einfühlung zu geben
  • erkunden, welche eigenen Bedürfnisse wir nicht berücksichtigt bzw. ausgesprochen haben
  • mit dem Ärger ins Gespräch gehen, fragen, was ihn umtreibt, was er fühlt, denkt empfindet, und was er braucht, um glücklich zu sein

Schritt 4: Heilsame Verbindungen mit anderen schaffen

  • Einfühlung für den anderen üben, indem wir uns in seine Mokassins stellen und uns fragen, was sie/ihn bewegt, was ihm/ihr wichtig ist, was er/sie braucht
  • Erst dann ins Gespräch gehen, wenn wir uns wieder beruhigt haben
  • Bei einem klärenden Gespräch eine neugierige Haltung einnehmen und offen sein für  die Bedürfnisse des anderen.
  • eigene Bedürfnisse als Bitte formulieren

Hat Ärger nicht auch einen Nutzen?

Ärger entsteht dann, wenn wir angegriffen werden bzw. uns angegriffen fühlen. Dabei entwickelt sich eine starke Energie, die uns die Kraft gibt, uns  zu verteidigen und zu schützen.  Das kann nützlich sein, wenn wir einem Säbelzahntiger gegenüber stehen, und wir die Kraft und Konzentration brauchen, um unser Leben und das unserer Lieben zu schützen.

Dagegen sind die  meisten Angriffe, denen wir heute normalerweise ausgesetzt sind, nicht unbedingt lebensbedrohlich sondern bedrohen allenfalls unsere Würde oder unser Ego. Da ist eine Reaktion aus der Wut heraus eher schädlich, weil sie vielleicht kurzfristig uns das Gefühl von Stärke, Überlegenheit und Kontrolle gibt, aber langfristig zu Unfrieden und Stress im Zusammenleben und –arbeiten führt.

Das bedeutet nicht,  dass  wir uns selbst dafür verurteilen sollen, weil wir Gefühle wie Zorn oder Ärger haben, im Gegenteil!  Es geht darum, einen heilsamen Umgang damit zu üben, damit wir unseren kleinen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten.

Zum Weiterlesen:

Allione, Tsültrim, Den Dämonen Nahrung geben: Buddhistische Techniken zur Konfliktlösung, Goldmann Verlag 2009.

Chödrön, Pema, Geh an die Orte die du fürchtest, Arbor-Verlag 2007

Chodron, Thubten, Es ist Dein Ärger: Methoden zum Umgang mit starken Gefühlen, Theseus Verlag 2008.